Hauptinhalt

Die nachfolgenden Ausführungen sind einer Broschüre für neue Mitarbeiter, die noch keinen Umgang mit blinden Menschen hatten, entnommen. Diese Tipps für den Umgang mit blinden Menschen sollen den Umgang mit Ihnen erleichtern.

Der Inhalt soll sensibel machen, gleich von Beginn an, im Beobachten und Tun brauchbare Wege zu gehen. Mitleid und übertriebene Hilfe sind entbehrlich, fälschen die Realität.

Im Folgenden reihen sich Anregungen, Vorschläge für die Praxis und Denkanstöße in zwangloser Folge aneinander mit der Absicht, „Fehlstarts" zu verhüten und die Kommunikation zu einer angenehmen Erfahrung werden zu lassen.

Irrtum - Tatsache

Irrtum: ... dass blinde Menschen in einer Welt der Dunkelheit leben.
Tatsache: Viele blinde Menschen haben einen geringen Sehrest.
Irrtum: ... dass der Blinde aufgrund seiner Blindheit zwangsläufig mit speziellen Fähigkeiten (besseres Gehör, Tastsinn) ausgestattet ist.
Tatsache: Der Blinde besitzt keine speziellen Fähigkeiten. Er muss sie sich durch Übung aneignen.
Irrtum: ... dass blinde Kinder zur Ausführung bestimmter Tätigkeiten im Alltag nicht mehr Zeit als sehende Kinder benötigen.
Tatsache: Die optische Kontrolle muss durch Konzentration und systematische Vorgehensweise ersetzt werden; das kostet Zeit

 

Führtechniken

Der Blinde fühlt sich sicherer, wenn sein Begleiter etwas vor ihm geht und er dabei den Oberarm des Begleiters greift. Er kann dadurch z. B. rechtzeitig auf Treppen, enge Stellen und Drehungen reagieren.

Treppen können Angst hervorrufen. Sicheres und verantwortungsbewusstes Führen kann die Angst nehmen. Geht die Begleitperson eine Stufe voraus, so kann sie den Blinden besser schützen. Betritt der Begleiter die Treppe, so hebt oder senkt sich, je nach Verlauf der Treppe, der Arm des Blinden. Mit kleinen Hilfestellungen kommt er auch alleine zurecht.

Wird der Blinde an den Stuhl geführt, kann er mit der freien Hand zur Stuhllehne greifen und selbstständig Platz nehmen. Es geht auch ohne Schieben und Zerren, wenn der Blinde zusätzlich mit der freien Hand an das Geländer greift, findet er genügend Halt.

Ordnungsprinzipien

Gegenstände, die achtlos in den Weg gestellt werden, können zu gefährlichen Unfällen führen - auf jeden Fall aber wird der Blinde erschrecken. Die Lust am selbstständigen Fortbewegen wird dadurch sicher nicht gefördert. Halb geöffnete Türen oder Fenster sind ernst zu nehmende Gefahrenquellen. Viel freier kann sich der Blinde bewegen, wenn er nicht ständig mit solchen „Fallen" rechnen muss.

Der Blinde kann sich an jedem gedeckten Tisch orientieren. Einfacher ist es jedoch für ihn, wenn er sich in seiner gewohnten Umgebung an ein festes System halten kann.

Will man einem Blinden erklären, wo sich einzelne Dinge auf dem Tisch befinden, so kann man als Hilfestellung das Zifferblatt der Uhr nehmen.

Denkanstöße

  • Auch dem Blinden kann zur Begrüßung die Hand gegeben werden. Wenn er dies möchte, wird er es zeigen.
  • Der Blinde kann durchaus selbst auf Fragen antworten. Niemand muss für ihn sprechen.
  • Durch einen kurzen Hinweis beim Betreten oder Verlassen des Raumes, weiß der Blinde, wer sich in der Nähe befindet.
  • Blindheit hat nichts mit Schwerhörigkeit zu tun - warum also lauter als gewöhnlich sprechen?
  • Wer die Umgangsformen Sehender nicht kennt, kann sich auch nicht daran halten. Für den Blinden ist es hilfreich, wenn er davon erfährt.
  • Bitte keine unsinnigen Tabus ... „sehen" und „schauen" sind Wörter wie alle anderen.
  • Der Blinde kann nicht sofort alles von seiner Umwelt wahrnehmen.
  • Einkaufen oder Arbeiten im Haushalt brauchen Zeit. Hektisches Drängen bringt jede Orientierung und Systematik durcheinander.
  • Flüstern in Gegenwart anderer kränkt jeden - auch den Blinden.
  • Blindheit bedeutet nicht grundsätzlich Hilflosigkeit. Aufdringliche Hilfen verhindern Unabhängigkeit und werten den Blinden in seiner Person ab. Erst fragen...
  • Begriffe wie „da" und „dort" geben dem Blinden keine klare Auskunft. Konkrete Angaben helfen ihm bei der Orientierung. („Die Tasche steht rechts neben dem Bücherregal.")
  • Vertrauen ist wichtig für jede Beziehung. Kleinigkeiten, wie präzise Uhrzeit und genaue Antworten, fördern Vertrauen - kleine, unauffällige „Mogeleien", die der Blinde nicht sofort überprüfen kann, machen viel kaputt.

 

Herausgegeben vom bbs nürnberg.